WLAN-Netze richtig abschotten - Mit Anti-WLAN Tapete

Die Forscher des französischen polytechnischen Instituts Grenoble Fabien De Barros, Guy Eymin Petot Tourtollet und Paul Piete haben in Zusammenarbeit mit dem Papiertechnikzentrum CTP eine Spezialtapete zur Abdämmung von Funkstrahlen von WLAN-Netzen entwickelt.

Cybercriminalität ist in aller Munde. Erst vor wenigen Tagen berichteten große Unternehmen wie Microsoft, Facebook und Twitter gezielte Einbrüche in ihre Firmennetze. Potentiell besteht also auch die Gefahr, dass unerlaubt in das WLAN-Netz (beispielsweise durch Wardriving) eingedrungen wird um an sensitive Daten eines Unternehmens zu kommen. Da Router in der Regel rund um die Uhr laufen und zu keinem Zeitpunkt abgeschalten werden, ist das systematische Knacken des Keys oftmals ohne Probleme möglich. Aber auch das reine sniffen und entschlüsseln des Datenverkehrs kann interessante Daten für einen Angreifer enthalten. So könnten sensible Informationen wie Kreditkartendaten, Bankdaten oder andere Zugangsdaten entwendet werden. In den letzten Jahren ist die Sicherheit -insbesondere in Home WLANs- zwar erheblich gestiegen, aber auch das inzwischen am meisten verbreitete WPA/WPA2 ist vor Knackern nicht mehr sicher und erste Experten zweifeln an der Gesamtsicherheit der Technologie.

Folglich wäre es also besser, wenn der Bereich in dem das Funknetz agieren soll eingegrenzt wird. Und hierauf basiert der Ansatz der Erfinder: In den meisten Anwendungsfällen wird das WLAN in einem geschlossenen Raum oder Gebäude benötigt. Sie entwickelten eine Spezialtapete basierend auf einem multibeschichteten Metapapier auf dem ein spezielles Muster aus einer Silbertinte aufgebracht ist. Diese deckt gezielt den Funkbereich bei 2,4 GHz ab. Anstatt das Signal durchzulassen wird es einfach reflektiert und agiert zumindest theoretisch signalverstärkend - also wie ein passiver Repeater.

Die Tapete lässt sich jedoch nicht nur für WLAN-Netze im 2,4 Ghz-Bereich einsetzen sondern auch für andere Netze. Insgesamt sind derzeit drei Verschiedene Papierlayers möglich die entsprechend drei verschiedene Funkspektren blocken können. Somit kann man beispielsweise neuartige hochfrequente WLAN-Netze bei 5 GHz abdämmen. Der Clou dabei ist, dass nur jeweils diese speziellen Frequenzen gekillt werden und andere Frequenzen komplett ungefiltert durchdringen können. Somit Radio- und Fernsehempfang sowie telefonieren weiterhin möglich.

Interessante Anwendungsgebiete sind neben dem Heimnetz und sicherheitsrelevanten Unternehmensnetzen auch beispielsweise WLAN-Hotspots. Und zwar könnte so ein vollständig offenes WLAN Netz im Hotelbetrieb für Gäste realisiert werden. Andere Anwendungsgebiete wären z.B. Flughafengebäude, Krankenhäuser oder Kinos. Die WLAN-Tapete funktioniert in beide Richtungen, sprich was nicht raus kann kommt auch nicht rein. Durch dieses Prinzip ist es jedoch auch möglich einen Raum "Handy frei" zu machen, so könnten die dedizierten Frequenzen von Mobilfunknetzen geblockt werden. Dies könnte insbesondere für Klassenzimmer in Schulen ein interessantes Gebiet sein.  Ein Problem für die Technik stellen noch Boden, Decke und Fenster dar, hier fehlen noch die entsprechenden Innovationen um diese auch komplett abzudichten.

Die Tapete kann mit einer anderen Tapete überlagernd werden und kann quasi als Grundierung eingearbeitet werden, jedoch arbeitet Eymin Petot Tourtollet nach eigenen Angaben auch derzeit an eigenen Designs für den Heimbereich.


Die Herstellung und der exklusive Vertrieb soll noch im ersten Halbjahr 2013 durch den finnischen Papierhersteller Ahlstrom starten. Als aktueller Preis steht derzeit rund 9-10 € pro m² im Raum und ist damit durchaus im mittleren Preissegment und kein unbezahlbarer Luxusartikel. Als zusätzliche Komponente könnte der Hersteller einen Schallschutz einbauen um der "analogen Firewall" einen weiteren Zusatznutzen zu geben.

Quellen:
1. http://www.grenoble-inp.fr/le-groupe/une-palme-d-argent-de-l-innovation-2011-pour-metapapier-402855.kjsp?RH=INPG_FR
2. http://efpro.org/fileadmin/PTS/EFPRO/Dokumente/Workshop_DeBarros.pdf