Logistik IT als Fliessbandlösung

IT für die Logistik kann keine Fließbandlösung sein. Zu diesem Schluss kommt das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML in einer aktuellen Studie (IT in der Logistik 2012)

Der Fokus der Studie lag auf Enterprise Ressource Planieren (ERP), Warehouse-Management-Systeme (WMS), Transport-Management-Systeme (TMS) sowie Supply Chain Management (SCM). Als wichtigste Faktoren galten hier der effiziente Umgang mit Ressourcen, die Versorgung urbaner Systeme und individuelle Alleinstellungsmerkmale. Die IT dahinter muss und sollte auch diesen Anforderungen mit immer neuen Konzepten und Innovationen begegnen.

Dabei ist die Investitionsbereitschaft in neue flexible Logistik-IT immer noch relativ gering. Lediglich 23% der Befragten Unternehmen zeigten Innovationsfreude zu alternativen und neuen Konzepten. Zu hoch ist die Angst vor hohen Kosten und mangelnder Akzeptanz.

Dabei hilft moderne IT die Kosten zu senken.

Der europäische Handelsriese Coop, ein Konzern mit alleine 4.300 Mitarbeitern in der Logistik, verarbeitet täglich rund 1 Million Bestellzeilen. Dort setzt man auf moderne und flexible Logistik-IT „Durch den Einsatz der verfügbaren Informatikhilfsmittel konnten bereits heute sehr tiefe Logistikkosten erreicht werden.“ erklärt uns Coop-CIO August Harder. Zum Einsatz kommt dort ein eigenes dezentrales Lagerverwaltungssystem welches auf Cloud-Basis arbeitet und an die SAP-Architektur angebunden ist. „Dadurch wird ein Optimum an Leistungsfähigkeit und Betriebssicherheit sichergestellt. Kommissioniert wird weitestgehend papierlos. Ein Tourenplanungssystem optimiert laufend den Einsatz und die Auslastung der Fahrzeuge auf Strasse und Schiene“ so Harder weiter.

Kostengünstig, anwenderfreundlich, flexibel und frei skalierbar – So sieht nach den Forschungen des Fraunhofer-Instituts die ideale Logistik-Anwendung aus. Idealerweise sollten die Geräte On-Demand zur Verfügung stehen können und jederzeit auch von ungeschultem Personal nutzbar sein. Um dem gerecht zu werden sollten also verwendete Schnittstellen weitestgehend offen sein, oder zumindest gut dokumentiert. Dies bestätigt auch Iwan Schröter, Head of IT bei Also in der Schweiz: „Kunden erwarten, dass ihre individuellen Wünsche erfüllt werden können, ohne dass sie langwierige Implementierungszyklen in Kauf nehmen müssen.“

„Moderner Logistik-Software muss der Spagat zwischen individueller Lösung und standardisierter Anwendung gelingen.“ mein Dr. Hompel Studienleiter und geschäftsführender Institutsleiter am Fraunhofer IML. „Die großen Trends wie Cloud Computing und das Internet der Dinge werden als wichtige Meilensteine einer adäquaten technologischen Entwicklung gesehen“ ist der Logistikexperte überzeugt.

Im Moment ist nicht sicher wo die Reise hingeht, alle sind sich einig was die „neue Logistik-IT“ alles können muss aber der genaue Weg ist noch nicht eingeschlagen. Anwender sind verunsichert hinsichtlich Kompatibilität und Integration, da viele Schnittstellen noch proprietär sind und einfache Umstellungen kaum möglich sind. Die Integration mobiler Geräte stellt derzeit häufig ein Problem dar, insbesondere im Hinblick auf verstärkte Automatisierung: „Den Herausforderungen der Zukunft wird in den nächsten Jahren durch den zunehmenden Einsatz von Automatiksystemen für die Lagerhaltung und die Kommissionierung Rechnung getragen. Dies wiederum stellt erweiterte Anforderungen an die eingesetzte Logistik-Software“ prognostiziert Coop-CIO Harder.

Zu teuer – das ist der Tenor der Anbieter warum sich Logistik-IT noch schleppend verkauft. Umfassende Lösungen im IT-Bereich sind durch zu Knappe Budgets bei den Anwendern kaum realisierbar. Ebenfalls bemängelt werden fehlende interne Standarts über Arbeitsabläufe und Schnittstellen. Oftmals fehlt die Akzeptanz bestimmter Software-Lösungen auch vollständig.

In Zukunft kann also verstärkt auf offene Schnittstellen, kostengünstigeren flexible Lösungen und aktiver Einsatz von Cloud-Lösungen gehofft werden. Denn auf Anwenderseite ist am Ende eine stabile und funktionierende Lösung entscheidend. Eine Lösung mit einheitlicher Betriebsumgebung in allen Bereichen und eine professionelle zentrale Administrationsmöglichkeit für die gesamte IT.